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Prager Zeitung

2. 9. 2010, 21:34
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Sport
Gelungene Generalproben
4. 6. 2008

Tschechien gewinnt beide EM-Testspiele – Sionko empfiehlt sich als Alternative für den verletzten Rosický



Wo der 68 Jahre alte Karel Brückner ist, herrscht Bewegung. Der Nationaltrainer der tschechischen Fußball-Nationalmannschaft strahlt die gewisse Gelassenheit aus, die ein Trainer braucht. Er vermittelt Autorität und wirkt im schwarzen Anzug und mit seinen schulterlangen, schneeweißen Haaren wie ein Dirigent an der Seitenlinie. Seine Spieler blicken regelmäßig auf ihn, um von seinen Gesten geführt zu werden. Sie sichten ihren Chef in einer Haltung, die innere Ruhe signalisiert – diese benötigen die Spieler, die in einem temporeichen, dynamischen Spiel auch mal den Überblick verlieren. Dann ist Karel Brückner gefragt: Mit seinen Gesten vornübergebeugt am Spielfeldrand weist er seine Spieler zu taktischen Veränderungen ein. Er zeigt seinen Profis die Laufwege und somit die Wege zum Erfolg. Das ist Brückner. Seine Mannschaft gewann die Härtetests vor der Europameisterschaft erwartungsgemäß gegen Litauen (2:0) und Schottland (3:1). Am vergangenen Montag ging es für ihn und seine Mannschaft ins EM-Quartier nach Seefeld.

Der neue Kapitän und Abwehrchef Tomáš Ujfaluši (AC Florenz) überzeugte in beiden Spielen über weite Strecken. Dennoch wurde er in der Pause (0:0) gegen Schottland mit vier weiteren Spielern ausgewechselt. In der ersten Halbzeit spielte Ujfaluši solide und wirkte deutlich stärker als einige Tage zuvor gegen Litauen. Radoslav Kováč spielte ebenso umsichtig und souverän an seiner Seite wie später David Rozehnal. Links agierte Tschechiens Fußballer des Jahres 2007, Marek Jankulovski, etwas auffälliger als Michal Kadlec, ist aber weit weg von seiner Form und der Torgefährlichkeit, die er auf der linken Außenbahn beim AC Milan ausstrahlte. Stürmertalent Martin Fenin musste sich die Begegnungen von der Bank ansehen. Brückners schlichte Begründung: „Man kann nicht alle Spieler einsetzen. Wenn seine Zeit gekommen ist, dann wird er auflaufen.“

Zur Europameisterschaft ohne Regisseur Tomáš Rosický – das war zunächst auch für Brückner eine schlimme Vorstellung. Am vergangenen Freitag, nach dem letzten Testspiel gegen Schottland in der Prager AXA-Arena, zeigte er sich optimistischer. Und das nicht nur aufgrund des Sieges: „Wir haben ein gutes Spiel hingelegt. Die Mannschaft hat überzeugt. Alle Spieler haben die Qualität, ein internationales Turnier zu meistern“, sagte Brückner acht Tage vor dem EM-Auftaktspiel der tschechischen Nationalmannschaft gegen Gastgeber Schweiz. Allerdings wurde sein Team in der Defensive sowohl gegen Litauen am Dienstag vor einer Woche als auch gegen die Schotten nur wenig gefordert. Im Offensivspiel fehlte noch der gewisse Spielwitz und die Kreativität. Doch vor allem Libor Sionko hat Brückner beeindruckt.

Der 31-jährige Mittelfeldspieler vom FC Kopenhagen, der mit seinem Vereinskollegen Zdeněk Pospěch wegen eines Ligaspiels nicht das Trainingslager im österreichischen Kleinkirchheim absolvieren konnte, sorgte gegen Schottland für brillante Momente. Er rückte von Beginn an für Stanislav Vlček ins Team und auf die rechte Seite. Mit seinen zwei Toren (61. und 90. Minute) bewies Sionko beim letzten Testspiel vor der EM seine Torgefährlichkeit und empfahl sich als Alternative für den verletzten Rosický. Das dritte Tor für die Tschechen erzielte Abwehrspieler Michal Kadlec in der 84., eine Minute vor dem einzigen Treffer der Gäste durch David Clarksson. Die nominell einzige Spitze, Jan Koller vom 1. FC Nürnberg, traf im letzten Spiel nicht. Er konnte bis zu seiner Auswechslung in der Pause zwei Kopfballchancen nicht verwerten.

Die „Generalprobe“, die es laut Brückner nicht war, hat seine Mannschaft zwar gewonnen, „doch das Spiel war für uns kein letzter Test, in dem man vor einem Turnier die Stammelf auflaufen lässt“, sagte Brückner und betonte, dass diese noch gar nicht feststehen würde. „Wir wollten einfach gewinnen.“ Der Sieg habe das Team endgültig gefestigt – behaupten die einen; andere  wiederum glauben, dass Tschechien die Gruppenphase nicht übersteht, in der neben der Schweiz noch Portugal und die Türkei vertreten sind. Es gäbe noch einige Problembereiche, sagen die Kritiker.

Doch Brückner selbst bleibt zuversichtlich und zugleich zurückhaltend: „An der Kondition und Dynamik müssen wir in den nächsten Tagen noch arbeiten“, sagte er nach dem Spiel. Zur Startelf am 7. Juni im EM-Eröffnungsspiel gegen die Schweiz wollte Brückner sich allerdings nicht äußern. „Das ist noch lange hin. Da kann sich noch vieles ändern. Beim EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland (3:0) mussten wir eineinhalb Stunden vor Anpfiff die Aufstellung noch ändern“, erinnerte er sich. Nach der erfolgreichen Vorbereitung in Kärnten und dem Testspiel gegen Litauen habe sich das Team gegen Schottland stark verbessert, so der Trainer. Er teilte damit die Meinung von Torwart Petr Čech. „Einigen Spielern war nach der langen, kräftezehrenden Saison die Ermüdung anzusehen. Doch bei jedem Spieler war eine steigende Formkurve zu beobachten. Die Jungs sind gut drauf“, sagte der Welttorhüter.   
 
Im zweitletzten Härtetest hat Stürmer Koller seiner Mannschaft mit einem Doppelpack einen 2:0-Sieg über Litauen beschert. Der Rekord-Torschütze erzielte in seinem 86. Länderspiel, im neuen Eden-Stadion von Slavia Prag, seine Länderspiel-Tore 53 und 54. Nach einer nahezu ereignislosen ersten Halbzeit und dem Kopfballtor von Stürmer Koller, steigerten sich die Tschechen nach der Pause und nach der Einwechslung von Tomáš Galásek für Jan Polák. Mittelfeldspieler David Jarolím trumpfte mit einigen guten Offensivaktionen auf und machte in beiden Tests ein gute Figur. Als Brückner den formschwachen Milan Baroš vom Platz nahm, wurde das Zusammenspiel der Tschechen besser. Nach Vorlage des tschechischen Torschützenkönigs und A-Nationalmannschafts-Debütanten Václav Svěrkoš traf Koller in der 62. Minute zum zweiten Mal und ließ damit mehrere peinliche Aussetzer des tschechischen Verbandes vor dem Spiel vergessen machen. Eine Stunde vor Spielbeginn musste die Verteilung des offiziellen Programmheftes gestoppt werden, weil darin nicht die litauische, sondern die lettische Flagge und ein Foto der lettischen Auswahl abgebildet sowie Riga als Hauptstadt Litauens genannt wurde. Vor dem Anpfiff im Stadion Eden hatten die Verantwortlichen zudem die lettische Hymne abgespielt.



Von Martin Preusker

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