Eine Analyse der historischen Folgen für die Gesellschaften in Osteuropa
Die Tschechoslowakei befand sich in den sechziger Jahren sowohl kulturell als auch politisch im Aufbruch. Ein Teil der geistigen Elite des Landes durfte mit Unterstützung und Billigung des Reformflügels der kommunistischen Partei Reformen umsetzen. Moskau reagierte zunächst reserviert, intervenierte wiederholt politisch. Als das in den Augen des Kremls nicht fruchtete, wurde im August 1968 der „Prager Frühling“ schließlich militärisch niedergeschlagen. Die Hoffnungen vieler Menschen auf einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, also auf ein Leben in größerer Freiheit, fanden ein abruptes Ende.
Den „Prager Frühling“ aber deshalb abzuschreiben als einen gescheiterten Reformversuch oder gar nur als eine missglückte Idee der Kommunisten, wie das einige konservative Politiker in Tschechien tun, unterschlägt die weitreichenden politischen Konsequenzen für Europa. Für den Reformkommunisten Alexander Dubček hat man nicht viel übrig, offiziell wird zum 40. Jahrestag der Niederschlagung am 21. August 1968 wohl nicht viel passieren.
Dabei leiteten der „Prager Frühling“ und seine Niederschlagung die Zerstörung des Hegemonialsystems der UdSSR ein. Spätestens seit diesem Ereignis war der Niedergang des Ostblocks festgelegt und mündete in den Zusammenbruch 1989/90. Das stellt die Broschüre „Kommunistische Welt und Warschauer Pakt 1955–1989. Prager Frühling 1968 – Herbst des Paktes“ von Nico Nolden fest.
Den gesamten Artikel und weitere Buchtipps zum „Prager Frühling“ können Sie in der Druckausgabe der Prager Zeitung oder in unserem ePaper lesen.
Nico Nolden: Kommunistische Welt und Warschauer Pakt 1955-1989. Prager Frühling 1968 – Herbst des Paktes, Grin Verlag, München 2007, ISBN 978-3-638-66119-9, 14,99 Euro
Von Anneke Müller